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Kettcar – Geringfügig, befristet, raus Lyrics 9 years ago
Mir scheint, dieser Text ist sehr direkt gefasst und übt mit übertriebenem Euphemismus Kritik an den Werten aus, an denen heutzutage die heranwachsenden Generationen gemessen werden.
Da geht es um das Erbringen von Leistungen und Bestnoten, um Konsum und hohe Verkaufszahlen. Der Höhepunkt des Glückes ist zu sehen in der 40-Stunden-Woche.

In der zweiten Hälfte kommt die Kritik sogar etwas deutlicher heraus wie ich finde.
Vor allem in der sehr sarkastisch wirkenden Frage "Und wie fühlt es sich so an, wenn man es geschafft hat
Vollbeschäftigt, unbefristet, glücklich?"

Dreht sich das Leben wirklich nur um das eine? Ist es dann nicht völlig bedeutungslos (wie ein Kreisel, der sich ständig nur im Kreis dreht und irgendwann umfällt, aber sich nicht von der Stelle bewegt hat).
Sind wir alle denn nur abgrundtief gleiche Mitläufer?

Auch das Ende finde ich sehr gelungen. Auf zynische Weise werden hier die ach so wichtigen Werte nochmal angepriesen, wobei die Wortwahl auf amüsante Weise doch sehr an die einschlägigen Formulierungen in den Stellenangeboten der großen "Global Players" erinnert, an denen ich mich an der Uni auf den Plakatwerbungen immer mal wieder erfreuen darf. Hervorragend!

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Kettcar – Die Wahrheit ist, man hat uns nichts getan Lyrics 9 years ago
Ich glaube in dem Text geht es insgesamt um das Treffen und die Folgen von Entscheidungen und darum, für sich selbst verantwortlich zu sein. Es werden dazu dann eine ganze Reihe von Beispielen gebracht:

1. Strophe: Lässt man andere für sich entscheiden (die Plätze einnehmen) oder vielleicht soll es auch heißen, dass man sich selbst verstellt, weil man das Gefühl hat, dass man so einen besseren Eindruck macht mit dem was man tut, auch wenn man sich damit nur selbst betrügt.

2. Strophe: Erweckt auf mich ein Gefühl der Gleichgültigkeit und soll vielleicht eine zynische Anspielung auf die zu sehr Konsumorientierten unter uns sein, für die die banale Wahl des Pizzabelags und des Programms ernsthafte Entscheidungsmöglichkeiten sind. So banal, dass sogar der eigentlich "kleine Erfolg" (die Eltern dürfen die Wohnung behalten) dagegen schon ganz mächtig erscheint, obwohl bei genauerem Hinsehen dass auch ein Umstand ist, auf den man selbst eigentlich kaum Einfluss hatte (die Entscheidung über die Wohnung wurde schließlich von jemand anderem getroffen).

3. "Wir hatten die Zeit, konnten überlegen"
Diese Strophe ermahnt wie ich finde dazu, über eine Entscheidung nicht zu lange zu grübeln (man hat zwar die Zeit), sonst hat man am Ende doch keine Wahl mehr (wenn man stundenlang nur die Wand anstarrt und hin und her überlegt).

4. Verstehe ich so, dass man bei einer Entscheidung immer auch darüber nachdenkt oder vielleicht sogar hofft, dass sie für andere irgendwie bedeutsam ist ("die Hoffnung dass uns jemand vermisst"). Aber vielleicht ist das gar nicht so wichtig, denn "vermisst die Sonne etwa den Mond und die Sterne?". Wichtig ist wohl eher, dass man sich selbst treu bleibt (mit Bezug auf die erste Strophe).


Zum Refrain:

Zunächst erscheint er mir recht negativ, ist ja dort schließlich die Rede von Enttäuschungen und zerstörten Hoffnungen.
Bei "Das Gute und das Schlechte und von beidem zu viel" bin ich etwas unschlüssig. Ich denke es soll darstellen, dass man es bei allen abzuwägenden Vor- und Nachteilen gar nicht so einfach hat, zu entscheiden und dann eben auch mal Fehlentscheidungen passieren.

Allerdings - und da komm ich wieder zur eingangs erwähnten Gesamtaussage - soll man das wohl gar nicht so negativ sehen. Die Türen die aufgehen und sich wieder schließen, stellen schließlich Möglichkeiten dar. "Die fehlende Hand die deine nicht hält" würde ich hier vielleicht gar nicht als traurig empfinden, sondern darin eher die Aussage sehen, dass man seine Entscheidung selbst zu treffen hat und nicht an die Hand genommen wird (was vielleicht vorher anders war?).

"Das Recht bei den Guten und die Schuld bei den andern
Die fehlende Kraft die Richtung zu ändern"
-> Man soll es sich nicht so einfach machen und die Schuld immer bei anderen suchen, nur weil man keine Kraft hat, zu seinen eigenen Entscheidungen zu stehen. "Die ganze Wahrheit ist" letztenendes, dass einem nichts (von den anderen an-)getan wurde, sondern dass man für alles selbst verantwortlich ist.

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Kettcar – Deiche Lyrics 9 years ago
@todaystomorrow

Ich denke auch in die Richtung, dass das Lied eher auf die aktuelle Gesellschaftslage und Politik abzielt und die Menschen wachrütteln soll. Insbesondere unterstützt dies auch der Refrain:

"[...]
Ich habe nicht davon gelesen
Das ist unsere Zeit, ich bin dabei gewesen"

Hier soll meiner Meinung nach verdeutlicht werden, dass man nicht bloß Zuschauer ist, der die Geschichte nur erzählt bekommt (passiver Medienkonsument), sondern selbst am Verlauf der Geschichte teilhaben soll ("ich bin dabei gewesen").

Auch die Textzeilen

"Du hoffst, erste Person plural
Weißt, aber nicht mit mir"

verstehe ich so, dass man sich zwar immer gerne bereitwillig als Teil des Ganzen sieht ("1. Person Plural", also WIR, das Volk), wo man zusammen etwas schafft, aber die anderen dann doch lieber mal machen sollen und man selbst sich zurücklehnt ("aber nicht mit mir").

In der zweiten Strophe kommt wie ich finde auch so eine allgemeine negative Grundstimmung gegenüber der Politik (so würde ich das mit zynischer Abdankung vorzeitig unterbrochene Zitat "Niemand wird es schlechter - danke" verstehen - sind ja eh alles Lügen) und der Wirtschaftslage bzw. der Wohlstandsschere ("der Kuchen ist verteilt") heraus.

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